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Länderinformationen Aserbaidschan


Allgemeines

Aserbaidschan (Azerbaijan), das "Land des Feuers", mit der Hauptstadt Baku, der "Stadt der Winde". Das klingt vielversprechend und beinahe wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Tatsächlich verlief durch Aserbaidschan einst ein Teil der Seidenstraße, und noch heute läßt das Labyrinth der Unesco-geschützten Bakuer Altstadt mit seinen Karawansereien und Moscheen Besucher in den Orient eintauchen, während am Straßenrand teetrinkende Teppichhändler ein Flair von Gelassenheit verbreiten. Doch schon im nächsten Augenblick erinnern Hupkonzerte, Hochhäuser und Designershops daran, daß Baku eine moderne Großstadt ist, die dank ihrer Erdölvorkommen als Magnet für das internationale Business eine rasante Entwicklung erlebt.
Aserbaidschan ist ein Land mit einer turbulenten und wechselhaften Geschichte, ein Land, in dem sich Europa und Asien beständig reiben und an dessen Widersprüche Klischees scheitern. Vom Tourismus bislang kaum entdeckt, ist es ein herausforderndes und manchmal widerspenstiges Reiseziel. Doch wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit Außergewöhnlichem belohnt: Das kaspische Meer, schneebedeckte Kaukasusgipfel, subtropische Ebenen und wüstenähnliche Steppen - die landschaftlichen Gegensätze sind reizvoll und vielfältig. Es gibt jahrtausendealte Felsmalereien, antike Festungen, legendenumwobene Feuertempel und historischen Ölfelder, auf denen rostige Pumpen bereits seit über hundert Jahren den begehrten Rohstoff aus der Erde saugen. Während die quirlige Hauptstadt mit Jazzkonzerten und Vergnügungsmeilen aufwartet, laden Nationalparks zu Wanderungen und Naturbeobachtungen ein. In den abgeschiedenen Höhen des Kaukasus verbergen sich uralte Dörfer mit einzigartigen Kulturen und Sprachen. Dank ihrer geographischen Isolation sind viele dieser Regionen bis heute nur mit Jeep, zu Pferd oder zu Fuß zu erreichen, was Abenteuer und einmalige Naturerlebnisse verspricht. Nicht zuletzt ist Aserbaidschan gerade bei Geologen dafür bekannt, daß es hier die weltweit meisten Schlammvulkane gibt, hervorgetrieben durch unterirdischen Gasvorkommen. Einmal auf einem solchen Vulkan zu stehen und zu beobachten, wie sich das aufsteigende Erdgas langsam durch die Schlammassen schiebt, um schließlich an der Oberfläche in riesigen Blasen zu zerplatzen, ist ein faszinierendes Erlebnis.

An- und Abreise

Derzeit fliegt nur Lufthansa direkt von Deutschland nach Baku. Umsteigeverbindungen von weiteren deutschen Flughäfen gibt es mit Turkish Airlines, Air Ukraine, Qatar Airways und Aeroflot. 

Einkaufsmöglichkeiten/Souvenirs

In Bakus Altstadt findet man klassische Souvenirs wie Teppiche, Kupferwaren, Wasserpfeifen oder Schnitzwerk wie Nard-Spiele mit Intarsien. In ländlichen Regionen werden oft vorzüglicher hausgemachter Honig, Schnaps oder Granatapfelsaft anboten, während Saki bekannt ist für Halva und Seidenschals und Lahic für Schmiedekunst. Originelle Kuriositäten findet man am ehesten zwische Fountain Square und Nizami kucesi im Zentrum Bakus.

Einreisebestimmungen/Zoll

Für EU-Bürger sind für die Einreise in die Republik Aserbaidschan visumspflichtig. Visa können entweder vor Reiseantritt bei der aserbaidschanischen Botschaft oder direkt am lughafen von Baku beantragt werden. Die Botschaft stellt Visa innerhalb von sieben bis zehn Tagen aus, wenn folgendes vorliegt: Reisepaß, zwei Passbilder, ein ausgefüllter Fragebogen (herunterladen von der Website der Botschaft.). Ein elektronisches Visum wird von uns mit der Buchung direkt über unseren Partner in Aserbaidschan ausgestellt und den Reiseunterlagen beigelegt.
Die Zollbestimmungen haben sich in den letzten Jahren deutlich entspannt und die Zolldeklarationen, die nach wie vor am Bakuer Flughafen ausliegen, sind kaum noch nötig, will man nicht mehr als USD 1.000 in bar ein- und später wieder ausführen. Für den Export von Teppichen, Kunsthandwerk und Antiquitäten benötigt man allerdings eine Ausfuhrbescheinigung vom Kulturministerium. Während sich die erlaubte Ausfuhrmenge für Kaviar jährlich ändert (aktuell 125 g), dürfen Alkohol und Zigaretten zu maximal drei Litern bzw. drei Stangen ein- und ausgeführt werden.

Elektrizität

Die früher üblichen Stromausfälle gehören in Baku nahezu der Vergangenheit an, aber außerhalb des Zentrums und speziell in ländlichen Regionen ist die Stromversorgung noch nicht immer zuverlässig geregelt. Europäische Standardstecker sind im 220/240 Volt Netz problemlos zu verwenden.

Fotografieren und Filmen

Die meisten Aserbaidschaner sind wenig kamerascheu und freuen sich oft sogar, fotografiert zu werden. Es ist allerdings ein Gebot der Höflichkeit, vorher um Erlaubnis zu fragen und versprochene Bilder im Nachhinein auch wirklich zu senden. Fotografieren auf Flughäfen und Bahnhöfen, in der U-Bahn, in der Nähe von Botschaften und Regierungsgebäuden, in sensiblen Grenzgebieten, im Umfeld militärischer Objekte so wie am Strand (zu viel nackte Haut) sollte man vermeiden, wenn man seine Kamera liebt. Auch in politisch sensiblen Gegenden, wie etwa an der Zugstrecke im Süden Nakhchivans oder an Orten, in denen der Präsident gerade erwartet wird, wir zu einem sehr dezenten Umgang mit der Kamera geraten. Einige Internetcafés verfügen über Kartenlesegeräte und brennen für einen minimalen Preis Fotos von Speicherchips auf CDs. Fotografieren oder Filmen im Palast von Saki ist kostenpflichtig.

Geld

Geld heißt auf Aserbaidschanisch "pul". Die Landeswährung nennt sich Manat (AZN) und ist recht stabil, wobei 1 Manat (= 100 Qepik, Kopeken) derzeit etwa 0,58 Euro entspricht. Daß uns der Manat so eigentümlich vertraut vorkommt, liegt daran, daß er vom selben Designer (Robert Kalina) wie der Euro entworfen wurde. Münzen gibt es im Wert von 1, 3, 5, 10, 20 und 50 Qepik und Scheine im Wert von 1, 10, 20, 50 und 100 Manat. Aus der alten Währung (1992 bis 2006 AZM) stammt die noch immer populäre Bezeichnung "Schirwan", denn auf der alten 10.000 Manat-Note war der Schirwanschah-Palast abgebildet. 1 Schirwan (Sirvan) entspricht 2 AZN, und um Mißverständnisse zu vermeiden, sollte man bei Bezahlen genau hinhören, ob der Preis in Schirwan oder Manat verlangt wird.
Geld kann man problemlos an Wechselstuben oder Banken wechseln oder aus einem der unzähligen Geldautomaten in Baku ziehen, von denen die meisten internationale Kredit- und ec-Karten akzeptieren und auf Wunsch oft auch Dollar ausspucken. Die Kurse veriieren nur geringfügig. Reiseschecks können an einigen Banken in Baku gewechselt werden, sind aber wenig geläufig. Banken sind in der Regel zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.
In Aserbaidschan ist es üblich, Preise zu verhandeln, und zwar nicht nur auf dem Basar. Auch Unterkünfte, Taxifahrten etc. können und solten getrost verhandelt werden.


Gesundheit/Medzinische Versorgung

Seit dem Ende des Kommunismus ist das Gesundheitssystem notorisch unterfinanziert. In Baku gibt es jedoch Kliniken mit relativ guten Standards und qualifizierten Ärzten. Wer auf Nummer Sicher gehen will, wendet sich an die SOS-Klinik (German Medical Centre), die neben englischsprachigen Ärzten einen 24-Stunden-Nothilfe-Service hat. Dort sind die Behandlungen allerdings häufig sehr kostspielig. Apotheken heißen "aptek" und sind teilweise rund um die Uhr geöffnet. Neu ist eine deutsche Apotheke, in der man auch Medikamente aus Deutschland bestellen kann, allerdings zu etwas gehobenen Preisen. Generell ist es nicht schwierig, auch ohne Verschreibung Medikamente zu besorgen - wenn auch bisweilen unter abweichenden Bezeichnungen und nicht immer vom Originalhersteller. Es empfiehlt sich, vor Antritt der Reise eine Auslandreisekrankenversicherung abzuschließen. Impfungen sind nicht vorgeschrieben.

Kleidung

Aserbaidschan ist modisch ein recht konservatives Land. Shorts sind generell, speziell jedoch für Männer, ein Tabu, und auch der Bauchfrei-Look hat seinen Weg bislang noch nicht nach Aserbaidschan gefunden. Kurze Röcke sind in Baku en vogue, für den Rest des Landes aber zu freizügig. Läuft man mit einem kleinen Rucksack durch die Stadt, outet man sich auf jeden Fall als Tourist. Wer möglichst wenig auffallen will, trägt als Mann einen Anzug und als Frau etwas Klassisches, das mehr bedeckt als es preisgibt. Das Tragen von Kopftüchern ist im gemäßigt islamischen Aserbaidschan unüblich, auch wenn letzthin eine gewisse Tendenz zum Kopftuch beobachtet werden kann. Allein für den Besuch von Moscheen muss der weibliche Kopf bedeckt werden, wobei dort häufig Tücher zum Verleih ausliegen. Saubere Füße und Strümpfe sind in Moscheen außerdem vonnöten sowie Kleidung, die die Gliedmaßen bedeckt.

Klima und Reisezeit

Immer wieder wird mit Stolz festgestellt, dass man in Aserbaidschan auf engstem Raum neun der elf weltweit existierenden Klimazonen findet. Zweifelsohne gibt es regional große klimatische Unterschiede, die von arktisch-alpin in höchster Lage bis feucht-warm im tiefen Süden reichen. Während in der Küstenregion das Klima ganzjührig relativ mild ist, schwankt es im kontinental beeinflussten Nakchevan zwischen klirrenden - 30 Grad im Winter und über 40 Grad im Sommer. Baku kennt kaum Frost, kann aber mit 284 Tagen Sonne im Jahr auftrumpfen! Generell ist Aserbaidschan sehr niederschlagsarm, weshald in der Landwirtschaft ständig gewässert werden muss. Am häufigsten regnet es in Lenkeran und den westlichen Landesteilen, am seltensten in Baku, wo es dafür oft windig ist. Die ideale Reisezeit ist April bis Juni, bevor die Sommerhitze die blühenden Wiesen verbrennt, die Flüsse austrocknet und die Städter an die Küste treibt. Mit durchschnittlich 26 Grad sind Juli und August die heißesten Monate und damit optimal für die Erkundungen in den hohen Bergregionen, die den Rest des Jahres kaum zugänglich sind. Ein angenehmer Reisemonat ist der September, wenn sich nach Ende der Sommerferien die Strände schlagartig leeren, es meist jedoch angenehm warm ist. Im Oktober wird es vielerorts bereits regnerisch, und im Winter liegt vor allem in den höheren Lagen Schnee. Während sich die Skiläufer bislang eher behelfsweise in Pirqulu vergnügen, wird in der Nähe von Qusar gerade das erste Skigebiet gebaut.

Unt
erwegs

Im Rahmen einer unserer Rundreise steht Ihnen tagsüber immer ein Wagen mit Fahrer zur Verfügung. Natürlich gibt es auch die öffentlichen Verkehrsmittel, die wir manchmal auch für Ausflüge im Stadtgebiet benutzen.
U-Bahn: Die Bakuer Metro besteht aus zwei Hauptlinien und ist die billigste und schnellste Methode, um sich durch die staugeplagte Hauptstadt zu bewegen. Jede Fahrt kostet 5 q, die von einer Plastikkarte abgebucht werden. Wegen vergangener Anschläge kommt es vor, dass größere Gepäckstücke vor Betreten der Metro untersucht werden, und in der Rush Hour droht Überfüllung.
Busse: Busse und Marschrutkas fahren innerhalb aller Städte meist mit hoher Frequenz, aber ohne ersichtlichen Fahrplan. Das System in Baku ist aufgrund seiner kryptischen Abkürzungen für Neulinge eine Herausforderung, die sich aber anzunehmen lohnt. Die grünen Busse sind günstig (20 q/Strecke, beim Aussteigen beim Fahrer zu zahlen), versprechen lokales Flair und fahren quasi in jeden Winkel der Stadt.
Taxis: Es gibt sie reichlich und rund um die Uhr, und bei Bedarf kann jedes aserbaidschanische Auto kurzerhand zu einem Taxi werden. Innerhalb Bakus kosten die Fahrten (je nach Sprachkenntnissen und Verhandlungsgeschick) 3-6 AZN, die Strecke von/zum Flughafen 15-20 AZN. Im Zweifelsfall den Preis vor Fahrtbeginn aushandeln und die Nerven auf exotische Fahrstile einrichten. Manchmal lassen sich aserbaidschanische Taxifahrer erst murrend auf einen Preis ein, um dann nachzuverhandeln wegen des "teuren Benzins" oder der "so weiten Strecke". Auf derlei Mätzchen sollte man sich nicht einlassen. In Taxis sitzen Frauen normalerweise auf der Rückbank.

Gastfreundschaft/Gepflogenheiten

Der Konflikt um Nagorny Karabach ist ein überaus sensibles Thema in Aserbaidschan, das an tiefe Wunden rührt. Entsprechend kann selbst das, was uns als politisch ausgewogene Sichtweise vorkommen mag, in Aserbaidschan als verletzend und pro-armenisch verstanden werden. Will man mehr Verständnis für die andere Sichtweise entwickeln, ist es oft ratsam, sich bei dem Thema weitgehend aufs Zuhören zu beschränken. Reisende, die bereits in Armenien waren, machen sich sicherlich nicht unbedingt beliebt, wenn sie von der Schönheit des Nachbarlandes schwärmen. Vorsicht ist auch bei religiösen oder anzüglichen Themen geboten. Hingegen ist die Attraktivität Aserbaidschans ein hervorragendes Thema, um ein Gespräch zu beginnen. Höhepunkte sind dabei die neun von elf Klimazonen, alte Kulturgüter oder das Bergdorf Xinahq mit seiner einzigartigen Sprache. Beliebt sind auch Fragen nach Familie und Kindern. Andersherum interessieren sich viele Aserbaidschaner aber auch sehr lebhaft für Deutschland, das dort generell einen sehr guten Ruf genießt. Mercedes und deutscher Fußball (Berti Vogts war aserbaidschanischer Nationaltrainer) sind besonders populär, aber auch der deutsche Alltag ist für viele interessant. In Aserbaidschan ist es nicht üblich, pfeifend durch die Straßen zu laufen, schon gar nicht als Frau, und auch wer sich während des Essens unbekümmert die Nase schneuzt oder lauthals verkündet, er gehe jetzt auf die Toilette, verstößt gegen den lokalen Verhaltenscodex. Tritt man jemandem versehentlich auf den Fuß, berührt man als Zeichen der Entschuldigung kurz die Hand des Getretenen, und Blumen verschenkt man besser in ungerader Anzahl, denn eine gerade wird mit dem Tod in Verbindung gebracht.

 

 

 

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