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Kleiner Reiseführer


Die attraktivsten Regionen Kirgistans

Bischkek

Wer sich ehemals sowjetische Städte als deprimierende, gesichtslose Ansammlungen von Plattenbauten vorstellt, wird von den Hauptstädten der zentralasiatischen Republiken angenehm überrascht sein. Vielleicht die symphatischste der Hauptstädte ist Bischkek, das ehemalige Frunze. Die Stadt liegt in Sichtweite der Kungej-Alatoo-Gipfel auf etwa 800 Metern Höhe an den Flüssen Alamedin und Ala-Arca. Durch schmale Gräben, sie sogenannten Aryks, fließt Schmelzwasser entlang der Straßen, spendet Kühle und bewässert zahllose Alleen und Parks. Diese sind so allgegenwärtig, daß Bischkek von weitem eher wie ein Park mit einigen Gebäuden erscheint als eine Stadt mit Grünflächen. Hundert Quadratmeter Grün pro Einwohner sorgen auch im heißen Sommer für ein erträgliches Klima. Das Zentrum wird von einem Gitternetz breiter, schattiger Boulevards durchzogen, die Plätze mit Denkmälern und markanten öffentlichen Gebäuden miteinander verbinden. Deren Architektur ist zwar eindeutig sowjetisch und wird von Beton dominiert, vereint aber traditionelle Elemente und moderne Bauweise zu einem typischen Stil. Bis auf einige Repräsentationsbauten im russischen Kolonialstil (wie Operntheater und Parlament) trifft man auf wenig Altes. Die Wohnviertel Bischkeks wirken mit ihren einstöckigen Häusern und üppigen Gärten geradezu ländlich; besonders gemütlich sind die der Rußlanddeutschen, deren Häuser wie Datschen im Hexenhäuschen-Stil aussehen. Wer aus Taschkent oder Almaty kommt, merkt, daß man es hier etwas gemächlicher als bei den großen Nachbarn angehen läßt. Kein Wunder bei einer Stadt, die so zum Flanieren einlädt wie Bischkek. Über die Herkunft des Namens der Stadt gibt es ebenso viel Rätselraten wie über den der Kirgisen. Die Sogder sollen diesen Ort bereits gekannt und Peschagach (Ort am Fuß der Berge) genannt haben. Eine andere Variante lautet Beschbek, was "Fünf Ritter" bedeutet. 1825 gründete hier der Kokander Khan ein Fort, als er das Siedlungsgebiet der Kirgisen allmählich eroberte. 1863 wurde es von den Russen eingenommen, die eine Garnison einrichteten. 1878 wurde die Siedlung Pischpek gegründet, als der Gouverneur des Siebenstromlands Kolpakovsky entschied, alle Verwaltungs- und Regierungsbehörden von Tokmak hierher zu verlegen. Der Grund für diesen Schritt war, daß sich hier die wichtigsten Straßen kreuzten: aus Werny (dem heutigen Almaty), aus Karakol am Issyk-Kul, aus Naryn und Taschkent, der alte Karawanenweg aus Kashgar in China und der aus dem Ferganabecken. Kolpakovsky entwarf bereits im selben Jahr Pläne für den Aufbau einer Hauptstadt, auch wurden die ersten Straßen entsprechend benannt: Tserkovnaja (Kirchenstraße), Sudejskaja (Gerichtsstraße), Kupeceskaja (Kaufmannsstraße), Gospitalnaja und Basarnaja. Umgesetzt wurden diese Pläne ab 1895 vom ersten gewählten Bürgermeister - dem Russen Ilja Fedotovic Terentev. Er war ein Wirtschaftsmagnat und prägte die bis heute bestehende Struktur der Stadt: Die Straßen wurden begradigt und mehrere Parks, Boulevards und Gärten angelegt, so zum Beispiel der heutige Erkindik-Boulevard und der Eichenpark. In seinem eigenen Garten baute Terentev das erste zweistöckige Haus Bischkeks. Außerdem wurde dort Hopfen gezüchtet, für dessen Qualität der Bürgermeister unter anderem sogar auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 mit einer Medaille ausgezeichnet wurde. Gutes Bier kannte man in Bischkek also schon früher, und diese Tradition wurde nach der Unabhängigkeit von der Brauerei "Steinbrau" im beyerischen Stil wiederbelebt. Pischkek hieß der Ort bis 1926, als ihn die Sowjets nach Michail Frunze umbenannten - dem hier geborenen russischen General, der im Bürgerkrieg die usbekischen Khanatssitze Chiwa und Buchara einnahm und die Bolschewikenmacht gegen die Basmatschen (zentralasiatische Rebellen) festigte. In Bischkek leben offiziell etwa 1 Million aus 48 Nationalitäten.


Der Issyk-Kul See

Im Osten birgt Kirgistan seine beeindruckendsten Naturwunder - die höchsten Tien-Shan Gipfel und den nach dem Titicaca-see zweitgrößten Hochgebirgssee der Welt: den Issyk-Kul. Bevor die Kräfte, die den Tien-Shan auftürmten, in der Kasachensteppe verebbten, schoben sie zwei Bergketten in die Höhe. Das Schmelzwasser der Gipfel füllte den tiefen Spalt, der sich zwischen ihnen aufgetan hatte. Mit 702 Metern ist der Issyk-Kul der vierttiefste See der Erde. Von der Westspitze aus laufen seine Ufer weit auseinander und finden sich erst nach 180 Kilometern wieder. Der Issyk-Kul mißt 60 Kilometer an seiner breitesten Stelle und bedeckt eine Fläche von 6236 Quadratkilometern. Damit er 11,5 mal größer als der Bodensee. Er liegt in der nach dem Ferganabecken größten Senke des Tien-Shan, dessen Gipfel, die ihn im Norden und Süden einrahmen, selbst im Sommer mit Schnee bedeckt sind. Wenn das Licht der Abendsonne auf den See fällt, gleichen die Viertausender einer Platinkrone auf dunkelblauem Samt. Die Schönheit des Issyk-Kul ist der Stolz der Kirgisen; ihnen gilt er als heilig. Die Mongolen nannten den Issyk-Kul "Temurtu-Nor" (Eisensee), denn sie hatten an einigen Stellen eisenhaltigen Sand gefunden. Fast die Hälfte der 688 Kilometer langen Küste ist Sandstrand. Nach der Schwarzmeerküste war dies die größte Badezone der Sowjetunion. Die Nordküste des Issyk-Kul wurde touristisch gut erschlossen, da sie mehr Sonne erhält als das im Schatten der Berge liegende Südufer. Im Durchschnitt scheint hier 2800 Stunden im Jahr die Sonne, und es herrscht das am wenigsten kontinentale Klima im Land. Um Uferbereich ist es etwa 3-5 Grad wärmer als in anderen Teilen Kirgistans, die auf gleicher Höhe liegen. Trotz seiner Lage auf 1608 Metern Höhe friert der See nie zu. Seinen Namen trägt er somit zu Recht: Er bedeutet "heißer See". Man vermutet, daß warme Quellen am Seegrund das Wasser über dem Gefrierpunkt halten, denn rund um das Ostende sprudelt heißes Wasser aus der Erde, das für Heilbäder genutzt wird. Der Issyk-Kul war stets ein bevorzugter Ort für Siedler. Im Osten und Westen lockten fruchtbare Täler, der fischreiche See, Wälder und Weiden, heiße Quellen und Flüsse. 1868 erreichten die ersten russischen Siedler den See und gründeten die Orte am Ostufer. In den folgenden Jahrzehnten stießen Uiguren und Dunganen hinzu, Moslems aus Sinkiang, die vor der Verfolgung in China flüchteten. Der Terskej-Alatoo - die südlich am See entlang laufende Kette - beginnt schon 100 Kilometer westlich der äußersten Spitze des Sees, nördlich des Song-Kul Sees. Er gehört zum Rückgrat des Tien-Shan, das insgesamt 1350 Kilometer lang ist, weit im Westen beginnt und in den Siebentausendern gipfelt, die Kirgistan sich mit China teilt. Geschweift wie ein Axtstiel beschreibt er einen leichten Bogen um den Issyk-Kul und strebt östlich seiner Mitte wieder nordwärts, bevor er in einem scharfen Knick nach Südosten zum Massiv des Khan-Tengri anschließt. Sein Granitkamm erreicht am It-Tis mit 4808 Metern den höchsten Punkt. Die Vorberge verflachen aus 30 bis 40 Kilometern allmählich zum See hin und sind von Flüssen durchzogen, die im Osten des Tals bewaldete Schluchten, im Westen Terrassen mit Steppen und Wiesen bewässern. Im Norden riegelt der Kungej-Alatoo den Issyk-Kul gegen die Kasachsteppe ab. 4770 Meter mißt der Cok-Tal im Westen und 4647 Meter der Esenbulak direkt nördlich der Seemitte. Im Osten gehen viermal so viele Niederschläge ab wie im Westen, von wo der Wind vorherrschend weht. Er reichert die Luft mit der vom See aufsteigenden Feuchtigkeit an, die dann, von den Bergen in die Höhe gezwungen ausfällt. Daher entstehen die beiden größten Flüsse im Becken hier: Tjup und Dzergalan. Mit einem Volumen von 1738 Kubikkilometern ist der Issyk-Kul die größte abflußlose Wassermasse Zentralasiens. 80 Flüsse speisen ihn mit Gletscherwasser, doch keiner verläßt ihn. Deshalb ist das Wasser leicht salzig (5,8 Gramm/Liter). Große Sorgen macht den Kirgisen, daß giftige Abwässer vom Goldbergwerk Kum-Tor in den See gelangen könnten. Das Bergwerk liegt südlich des Issyk-Kul auf 4400 Metern Höhe am Nordhang der Ak-Syjrak Bergkette.   


Zentraler Tien-Shan

Das Herz des Tien-Shan liegt zwischen dem See Issyk-Kul und China. Vom See geht es von bewaldeten Tälern mit warmen Quellen über in eine Landschaft, eingeschnitten von gewaltigen Gletschern, im Süden gegen China abgeschrimt durch die längste Bergkette des Tien-Shan (Koksaal-Too, 582 Kilometer) und seine höchsten Gipfel. Ausländern war der Zugang zum zentralen Tien-Shan lange verwehrt. Hier war ein kaum zu überwachender Punkt des Grenz-Tauziehens zwischen China und der Sowjetunion. Das von Natur aus schwer zugängliche, unnahbare Zentrum ist außer zu Fuß nur mit dem Hubschrauber erreichbar. Erste europäische Erkundungen wurden 1857 von dem Russen Semenov (1827-1914) dokumentiert. Für seine Bemühungen im Auftrag der Russischen Geographischen Gesellschaft wurde der Forscher vom Zaren mit dem Titel "Tien-Sanskij" ausgezeichnet´. Das Zentralmassiv trägt auch den Namen Mustagh, was "Eisberge" bedeutet. Der zweithöchste Gipfel, der 6995 Meter hohe Khan-Tengri, sieht aus wie der große Bruder des Matterhorns. Drei scharfe Grate, an deren Flanken sich mühsam Schnee klammert, steigen im Zickzack himmelwärts und stoßen zu einer Spitze zusammen, die wie ein Keil die dünne Luft spaltet. Vielleicht inspirierte diese elegante, machtvolle Form zu seinem Namen: "Herr der Geister".


Durch das Ferganabecken

Im Westen spaltet sich der Tien-Shan in zwei Arme, die sich um das Ferganabecken legen - mit einer Fläche von 22000 Quadratkilometern die größte Niederung in diesem Gebirge. Bester Ackerboden, viel Wasser und ein warmes, beschirmtes Klima machen sie zu einem natürlichen Gewächshaus, das schon im Altertum eine große Bevölkerung ernährte. Nach der Oktoberrevolution wurde das Ferganabecken industrialisiert, mit seinem fruchtbaren Land und seinen Arbeitskräften zu einer riesigen Baumwollplantage und zur am dichtesten besiedelten Region der UsSSR. Zeitweise produzierte es fast ein Viertel des sowjetischen "weißen Goldes". Noch heute ist Usbekistan der drittgrößte Baumwollerzeuger der Welt. Solche Ernten erzielte man nicht allein aufgrund des günstigen Klimas und des Wasserreichtums. Bis heute werden die Felder getreu sowjetischer Tonnenideologie mit einem Regen verschiedener Chemikalien gedüngt, von Ungeziefer befreit und entlaubt. Dies trägt zusammen mit etlichen Fabriken zur Umweltverschmutzung im Ferganabecken und zur gesundheitlichen Belastung seiner Bewohner bei. Die Ränder der Ferganasenke gehören zu Kirgistan und Tadschikistan. Kurz vor dem Ende der Sowjetunion lag hier der Brennpunkt der Streitigkeiten zwischen den verschiedenen ansässigen Ethnien: 1989 mußte im östlichen Teil, dem Kirgistan zugehörigen Osh-Gebiet, die Minderheit der Meßchet-Türken vor marodierenden Usbeken gerettet und evakuiert werden. 1990 brachen blutige Krawalle zwischen Usbeken und Kirgisen aus. Die Berichte hierüber klingen so erschreckend, als entstammten sie der Zeit der Mongoleninvasion, doch braucht der Reisende nichts zu befürchten. Ausländern begegnet man tolerant. Die Menschen leben zusammen, ohne daß Feindseligkeiten zu merken wären; ein friedliches Nebeneinander ist ihnen wichtiger als nachtragender Groll. Vom Ferganatal ging die letzte Invasion einer örtlichen Macht auf kirgisischem Boden aus. Das usbekische Kokander Khanat versuchte, schon während von Nordwesten das russische Zarenreich immer näher rückte, sich durch Ausdehnung des Territoriums Halt zu verschaffen. Es gelang dem letzten Khan, bis kurz vor seiner Entmachtung durch die Russen Ende des 19. Jahrhunderts, große Teile Kirgistans einzunehmen. Von dieser Senke stoßen sternförmig viele Straßen ins Gebirge vor. Das Ferganabecken ist wegen seiner Lage ein guter Ausgangspunkt für Reisen, die die Verschiedenheit der Kulturen der zentralasiatischen Völker spürbar machen.


Osh

Wo der chinesische Gesandte Zhang Qian auf der Suche nach den "himmlischen Rössern" im Jahr 138 vor unserer Zeit in die Gärten der Fergana-Oase hinabstieg, lag damals schon die Stadt Osh. Sie ist die historisch bedeutendste Stadt des Landes und so alt, daß ihre Gründung Legende ist: Diese wird König Salomo aber auch Alexander dem Großen zugeschrieben. Der Volksmund sagt, Osh sei so alt wie Rom. Andere Quellen äußern, daß Osh so alt ist wie Samarkand, das auf zweieinhalb Jahrtausende zurückblicken kann. Die früheste Erwähnung der Stadt ist in arabischen Dokumenten des 9. Jahrhunderts zu finden. Wegen seiner günstigen Lage an antiken Handelswegen, wie zum Beispiel der Lasuritstraße im Pamir im 3. und 2. Jahrhundert vor unserer Zeit, und die in der Nähe erschlossener Bodenschätze wurde Osh zu einem Stützpunkt der Seidenstraße. Im 16. Jahrhundert war es das religiöse Zentrum des Ferganabeckens und ist heute mit 250.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kirgistans. Als die Araber dieses Gebiet beherrschten, hatte Osh eine Zitadelle mit Palast und Gefängnis. Außerhalb der Stadtmauer mit drei Toren lagen Vororte. Trotz des Alters der Stadt sind fast keine Architekturdenkmäler erhalten geblieben. Als Dschingis Khan im 13. Jahrhundert nach Westen gegen den Schah von Choresm zog, schickte er einen Teil seiner Streitmacht auf einen mühseligen, gefährlichen Marsch über die Pässe des Tien-Shan. Osh hatte das Unglück, auf dem Weg zu liegen und wurde von den Mongolen, die ausgezehrt von den Bergen herabkamen, erobert und zerstört. Doch erholte sich die Stadt wieder, und bis heute wird der Basar von Osh im ganzen Ferganatal gerühmt; in Bischkek heißt sogar ein Markt "Osskij Basar". Hier treffen sich usbekische Bauern, kirgisische Halbnomaden, russische Arbeiter, Tataren, Tadschiken und viele andere. Man feilscht um Pferde und Vieh, Gemüse, Brot, Teppiche, Werkzeug und die neuen Waren aus Ost und West - Dosenbier und dubiosen Wodka, Zigaretten, Schokoriegel, T-Shirts und Trainingsanzüge aus China. Sonntags ist der Dzayma-Basar, der sich am Ak-Buura-Fluß erstreckt, am lebendigsten; montags hingegen ist er wie ausgestorben. In Osh steht die mit 90 Jahren älteste noch funktionierende Seidenfabrik der ehemaligen Sowjetunion, die schon vor der Oktoberrevolution den Betrieb aufnahm. Neben Baumwolle wird im Ferganabecken nämlich auch viel Seide erzeugt, aus der die leuchtend bunten Kleider der Usbekinnen geschneidert sind. Auch hier hat die Konkurrenz des Weltmarktes, vor allem aus China und Japan, nach dem Fall des Schutzwalls der Planwirtschaft für einen wirtschaftlichen Einbruch gesorgt. Die Zahl der Beschäftigten ist auf ein Fünftel gefallen. 1996 kaufte eine irische Firma das Unternehmen. Im Juni/Juli 1990 führten Landstreitigkeiten im Gebiet Osh zu Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken, bei denen etwa 300 Menschen getötet wurden. Zum Glück wiederholten sich solche Auseinandersetzungen nicht, als das Land unaghängig wurde und eine politisch wie wirtschaftlich schwierige Zeit anbrach. Seitdem hat sich die durch Osh führende Handelsstraße wieder belegt, zumal der südliche Grenzübergang Erkectam nach China 2002 geöffnet wurde. Über den Pamir-Trakt, die alte russische Poststraße ins Alaj-Tal, die durch den Pamir und schließlich zur afghanischen Grenze führt, rollt aber auch so mancher Lastwagen mit heißer Fracht - Opium, das von bitterarmen Bergbauern in Tadschikistan und Afghanistan angebaut wird. Ab und zu wird ein Schmuggler erwischt, doch es kommen genug durch, um Osh zu einem Umschlagplatz für das Rauschgift zu machen, das schließlich auch in Westeuropa landet.


Zentral- und mittleres Südkirgistan

Song-Kul-See
Hinter dem Ortsausgang von Cajek mündet von Süden eine Straße ein, die über den Ort Kara-Kece zum herrlich gelegenen See Song-Kul führt. Schon im Tal stimmt die Landschaft auf grandiose Eindrücke ein: Unweit von Cajek überragen rostfarbene Felsen, die an Wolkenkratzer und Kathedralen erinnern, die Schlucht. Die üppigen Weidegründe auf dem Plateau des Song-Kul werden in den Sommermonaten von den Kirgisen genutzt, deren Jurten aus dem weiten Grün wachsen wie Champignons. Auf den Feuchtwiesen wächst nicht nur Gras für die Schafe, Kühe und Pferde der Hirten. Rosa Blüten und das in Europa seltene, unter Naturschutz stehende Edelweiß sprenkeln jeden Fußbreit der Hochebene. Hier brüten die seltene Seifengans und Schwarzstörche. Die Hochebene mit dem See mißt 60 mal 30 Kilometer und wird auf allen Seiten von bis zu 3800 Meter hohen Bergen begrenzt. Die klare Luft bietet weite Ausblicke über die Ebene, den See und die Berge. Die Oberfläche des Song-Kul nimmt 275 Quadratkilometer ein und liegt auf 3016 Metern Höhe. Der See faßt 2,82 Kubikkilometer Wasser. Es gibt nur einen Abfluss im Südosten zum Naryn, den Koidsarti. Dem Seeufer sollte man sich nicht unbedacht nähern - an vielen Stellen lauern Schlammlöcher und Sümpfe, die angeblich schon Menschen verschlungen haben und vor allem Fahrzeugen gefährlich werden können. Am besten läßt man sich von den Kirgisen zeigen, wo man an den See herankommt.


Zum Torugart-Pass (Grenze zu China)

Südlich fährt man von Naryn zum bis 2002 einzigen für internationale Reisende offenen Grenzübergang nach China - dem 3752 Meter hohen Torugart-Paß. Die Straße gabelt sich 40 Kilometer vor At-Basi und dem gleichnamigen Gebirgszug, dessen höchster Gipfel 4786 Meter aufragt. Die Fortsetzung der A 365 von Bischkek nach Naryn führt westlich, der andere Weg östlich um den 140 Kilometer langen Bergrücken herum. Auf der A 365 erreicht man den Paß nach 190 Kilometern. Die weniger befahrene Ostroute ist etwa 70 Kilometer länger. Auf dem Weg liegt eine Sehenswürdigkeit bei dem Dorf Kara-Suu: die Ruine der wahrscheinlich karakhanidischen Festung Kosoy-Kurgan aus dem 10. Jahrhundert. Tas-Rabat ist das letzte Hochtal, bevor die schneebedeckten Hänge des Tien-Shan hinabsinken in den Dunst der Wüste Taklamakan. Das Klima ist hier wesentlich milder als im umgebenden Hochgebirge. Hier war der Ort, an dem die Kaufleute und Eroberer ihre Tiere noch einmal weiden und tränken und sich selbst noch einmal ausruhen konnten, ehe sie einen salzigen, halbgefrorenen See umrundeten und hinunterstiegen in die Glut der "Wüste ohne Wiederkehr" - Kashgar entgegen, der großen Oase am Fuß des Pamir, Ziel und Treffpunkt vieler Karawanen aus Ost und West. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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